V. A. - SUPERNOVA 2 (Interstellar Records)






Lange hat's gedauert, bis die Fortsetzung der interstellaren Linzer Experimental-Compilation die Finsternis der Welt erblickte. Handicaps allerorten hinderten die Ansammlung der Freischärler bis in die Nervenendungen an der Fertigstellung. Jetzt aber, nova und super, Teil 2.
Fangen wir gleich subjektiv an: Mein heimlicher Favorit auf dieser 2 x 10"-Platte sind Peach Pit aus Kroatien, nicht zu verwechseln mit den gleichnamigen japanischen Manga-Zeichnerinnen! Und zwar Favorit nicht nur deshalb, weil ich erst bei ihnen, also auf der C-Platte, draufkomme, welche Abspielgeschwindigkeit für die beiden Supernova-Vinyls die tatsächlich richtige ist (steht ja auch nirgends!). Sondern weil hier experimenteller Rock'n'Roll so gut, so gut ausgerechnet und ausgerechnet so gut daherkommt, wie er sich gehört bzw. wie er gehört gehört. Auf einem Feld sohin, auf dem in der Regel Bulbul nicht zu schlagen sind. Nur sind die hier - zusammen mit dem Zeichner, Filmer, Trompeter und Pupik-Hotellier Heimo Wallner, dessen Mitwirkung allerdings akustisch dem Untergang geweiht ist - etwas, wie soll man sagen, mehr in die Länge als in die Breite radikal unterwegs.
Merzbow seinerseits macht, was er immer macht: differenzierten Krach, den man je nach Betäubungsgrad mehr oder weniger assoziativ zu nennen vermag. Und Lokalmatador Wolfgang Fuchs lässt das Vinyl knistern, dass es eine kritische Erotik hat - bevor er auf "Rundschau" die Heulbojen loslässt und das Schiff des gleichnamigen rechtskatholischen Boulevards auf Grund läuft. Schlussendlich knistert es dann wieder wie zu Beginn. Schöön.

(Andreas Fellinger/Freistil #26, Printausgabe 08/2009)





...Zadnji artist na ovom vinilu je WOLFGANG FUCHS (nije Fucks!) koji se prilično dobro našegačio sa gramafonskom pločom. Prva skladba "Laurenz" je zvuk škripavog vinila bez ikakve muzike u trajanju od skoro punih 6 minuta. Budući da sam ploču rippao s gramafona u digitalni format, u programu sam uočio jednu nevjerojatnu činjenicu - ta škripa ima svoj ritam, sklad, aranžman i harmoniju, te nije puka kopija nekakvog krckanja vinila. Nije za široku publiku, svakako, ali je kao istraživački poticaj veoma intrigantan komad. Oni koji nikada nisu doživjeli tu škripu vinila teško da će shvatiti smisao 'što je pjesnik htio reći'. "Rundschau", zadnja stvar na ovome vinilu je također oplemenjena sa krckanjem gramafonske ploče uz hipnotički monotoni zvuk syntha koji ima svojih minimalističkih obligacija i valova. Ne znam zaista gdje bi ovo svrstao - u avangardu, electro/noise, post-industrial, eksperimentalnu glazbu... U svakom slučaju je veoma kreativno i nadahnuto poput prva dva eksperimentalna albuma Kraftwerk. Ideja je odlična i tu nema šta da se zbori.

(TERAPIJA.net horvi)

translated into english:
...The last artist in this vinyl Wolfgang Fuchs (not Fucks!), Which is pretty good našegačio with gramafonskom plate. The first song, "Laurenz" sound škripavog vinyl without music for a period of almost a full 6 minutes. Since I record rippao with gramafona in digital format, the program I noticed an amazing fact - that grate has a rhythm, harmony, arrangement and harmony, and not a mere copy of some crunch vinyl. Not for the general public, certainly, but as a research initiative is very intriguing piece. Those who have never experienced this creaking vinyl hard to understand the meaning of 'what the poet wanted to say.
"Rundschau", the last thing on this vinyl is also enriched with Crunch gramafonske plates with hypnotic monotonous synth sound that has its minimalist obligation and waves. I do not really know where this ranks - the avant-garde, electro / noise, post-industrial, experimental music ... In any case, it is very creative and inspired as the first two experimental albums by Kraftwerk. The idea is great and there is nothing to be spoken.





Bulbul, Merzbow, Peach Pit und Wolfgang Fuchs haben für diese Doppel-10"-Platte jeweils eine Seite zur Verfügung gestellt bekommen, die sie ganz nach ihren Vorstellungen füllen konnten. Von Bulbul gibt es diesmal in Zusammenarbeit mit Heimo Wallner ein Ambient-Stück namens "Grand Kratzscha", das stilistisch kaum etwas mit den vergleichsweise straighten (natürlich im Bulbul-Kosmos) Rockstücken der letzten Platte gemein hat. Vielmehr erzeugen Gitarre, Schlagzeug und Elektronikflächen Klanggebilde, in die man sich erstmal einfinden muss - zum einfach mal so nebenher Hören also wohl nicht wirklich passend.
Dies trifft dann noch mehr auf den Beitrag von Merzbow zu, bekannterweise japanischer Extrem-Noise-Musiker. Entweder man hasst oder liebt ihn - dazwischen gibt es nichts. Für die einen ist es, gleich nach der Erfindung der Schallwellen, das Beste überhaupt, für die anderen einfach bloß der Klang eines Massenauffahr-Unfalls auf der Autobahn, während nebenan ein Bagger in einer riesigen Lego-Kiste schaufelt. Auf Seite drei findet sich dann mit den drei, an Slint erinnernden, Stücken des kroatischen Post-Rock Quartetts Peach Pit wohl der zugänglichste Beitrag auf Supernova 2, der den Ohren kurzfristig etwas Entspannung bietet, bevor es zum Abschluss mit den beiden Beiträgen des österreichischen Elektronik-Musikers Wolfang Fuchs noch einmal abstrakter wird. Genau genommen, gibt es wohl Weniges, das noch abstrakter wäre, als knapp fünf Minuten lang das Auslaufgeräusch einer Plattennadel auf Tonträger zu verewigen, wie im ersten Teil des Beitrages geschehen. Aber keine Angst, es bleibt nicht immer so.

(Quelle: http://www.mica.at/musiknachrichten/detail_20884.html)





Supernova 1 war 2001 noch eine 4-Tape (!)-Compilation, mit DIY-Artwork und unbekannten Namen. Auf SUPERNOVA 2 (INT008, 2 x 10") improvisieren Bulbul (w/ Heimo Wallner), als ob das für Noiserocker das Selbstverständlichste der Welt wäre. "Grand Kratzscha" findet erst auf den letzten 3 seiner 13 Min. zu zarter Gitarrenpoesie, mit Schepperbeat. Davor ließen sich Manfred "Fredl" Engelmayr, Der Hunt & Dieter "DD" Kern Zeit für das längste Intro ever.
Dem folgt nun Merzbow mit "1339", einem ebenfalls 13-min. Uptempo-Pulsar und Noisesandstrahl. Das kroatische Trio Peach Pit, samtig wie Pfirsichflaum, bissig wie ein Pitbull, spielt drei herzhaft raue Instrumentals, die aber keinen Zweifel daran lassen, dass die Zeiten definitv vorbei sind, als für jungwilde Rocker Bruchrechnen überflüssig war und "Mehr Bier" schon als Höhere Mathematik ausreichte.
Das Überraschungsei legt dann Wolfgang Fuchs, nein, nicht der King Übü Örchestrü-Tröter, sondern ein Wiener DJ. Der entschlackt alles bisher Gehörte zu bloßem Vinylknistern, zuerst eine Symphonie wie aus platzenden Schaumbläschen, dann als brummender Dynamo, knacksig umloopt, bis die Nadel zischend in der Auslaufrille hängt. Das klingt dann wie pulsierender Starkregen.

(Rigobert Ditt/mannbadalchemy)





"Supernova 2" ist wahrlich kein selbsterklärendes Projekt und so hilft zunächst ein Verweis auf "Supernova 1", die 2001 erschienen Vorgängercompilation. Eine Zusammenstellung bis heute weitestgehend namenloser Formationen wie Mute Audio und Calamari:Autopsy wurde damals auf 4 Kassetten in einer handgemachten Holzbox angeboten. Auflage: 111 Stück. Wenngleich "Supernova 2" acht Jahre später nun gleich mit der verdreifachten Stückzahl als 2x10" mit Gatefold-Cover erscheint, lassen diese Eckdaten doch bereits mehr als erahnen, dass es sich um eine Veröffentlichung der speziellen Art handeln muss. Dementsprechend sind vier stilistisch sehr unterschiedliche Acts vertreten, die sich allein unter dem Oberbegriff experimentelle Musik subsummieren lassen. Dafür verantwortlich zeichnet sich das feine österreichische Spartenlabel Interstellar Records und wenngleich mit die Promo auf CD vorliegt, bin ich mir sicher, dass das gute Stück auch optisch mit Liebe zum Detail angefertigt wurde.
Den Auftakt liefern BULBUL & HEIMO WALLNER mit dem gut 13minütigen Stück "Grand Kratzscha". BULBUL spielen von Haus aus energischen Noise Rock, worauf man allerdings allein durch das Hören dieses Songs kaum kommen würde. Die Österreicher haben nämlich offenbar auch ein Faible für freie Improvisation und mäandernde Soundlandschaften. Ein Desperado mit Grashalm im Mund zupft die Saiten seines elektrischen Sechssaiters zu sanft angeschlagenen Cymbals und begleitenden Elektronika, während ein Sänger wie übrigens über die gesamte Distanz von "Supernova 2" nicht vermisst wird.
Vergleichsweise prominent geht es danach mit MERZBOW weiter, dem legendären japanischen Experimental / Noise / Industrial Pionier, der in den letzten 30 Jahren der Welt eine Fülle von Veröffentlichung geschenkt hat, die vermutlich auch er selbst nur noch mit Mühe überblicken kann. "1339" bietet in erneut gut 13 Minuten Spielzeit eine bizarre, freigeistige und harsche Noise-Orgie, die von gängigen Konventionen befreit der heimischen Anlage einen Belastungstest bietet. Merzbow steht dabei für eine Form von brachialer Klangkunst, die nur sehr wenige Menschen tatsächlich konzentriert und regelmäßig anhören und die eigentlich nach einer Darbietung in Verbindung mit visualisierenden Elemeten schreit. Doch imposant ist diese Art der abstrakten Vertonung auch so. Immer wieder und auch hier.
Nicht ansatzweise mit solchem über Jahrzehnte erworbenenen Underground-Renomme behaftet sind dagegen die auf der A-Seite der zweiten Scheibe folgenden PEACH PIT, eine Math-Rock-Formation aus der südöstlichen Nachbarschaft Österreichs. Die Kroaten spielen über drei Songs verteilt verschachtelten instrumentalen Rock mit prog-jazzigen und noisigen Elementen, der frisch, knackig und nicht zu verkopft daherkommt. Changierend zwischen krachenden Gitarren und eher feingliedrigen Arrangments erweisen sich Peach Pit als ausgesprochen hoffnungsvolle Formation, von der noch einiges Gutes zu erwarten ist. Und dieser Eindruck entsteht gewiss nicht nur, weil die Südländer auf dieser Compilation die bei weitem am leichtesten zugängliche Band sind.
So wird es dann auch zum Abschluss mit dem Wiener Turntable-Improvisationskünstler WOLFGANG FUCHS wieder wesentlich abstrakter. Das knapp sechsminütige "Laurenz" besteht aus Knistern und tatsächlich ausschliesslich aus Knistern. Knistern, dass dann in "Rundschau" auf wabernde Schwingungen trifft. Bis zum Schluss. Auch für die Rezeption dessen wird es geneigte Spezialisten geben, sagt der Rezensent abschliessend, bevor er wieder PEACH PIT auflegt.

(Volker Schulz/RAGAZZI-MUSIC.DE)